Beispiel Guter Praxis: JUGEND STÄRKEN: Brücken in die Eigenständigkeit
Berichten mit Mehrwert - Querschnittsthemen wirksam verankern
Im ESF Plus-Programm "JUGEND STÄRKEN: Brücken in die Eigenständigkeit" („JUST BEst“) werden die Querschnittsthemen durch abgestimmte Formulare und Ausfüllhilfen kohärent in die Berichterstattung integriert.
Steckbrief
Institution Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) und Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA)
Programm JUGEND STÄRKEN: Brücken in die Eigenständigkeit ("JUST BEst")
Förderperiode 2021 – 2027
Querschnittsthema Gleichstellung der Geschlechter, Antidiskriminierung, Ökologische Nachhaltigkeit
Quellen/Dokumente Sachberichtsformular 2024
Ausfüllhilfe Sachbericht, Stand Februar 2025
Fördergrundsätze für die Bewilligung von Zuwendungen aus dem ESF Plus in der Förderperiode 2021-2027
Kontakt Servicestelle „JUGEND STÄRKEN“
E-Mail
Um welche Herausforderung geht es?
Die Umsetzung der Querschnittsthemen (bzw. bereichsübergreifenden Grundsätze) – Gleichstellung der Geschlechter, Antidiskriminierung und Ökologische Nachhaltigkeit – ist integraler Bestandteil aller ESF Plus-finanzierten Vorhaben. Eine theoretische Verankerung dieser Querschnittsthemen in Programmkonzeption und Begleitdokumenten reicht nicht aus. Die Fördergrundsätze für die Bewilligung von Zuwendungen aus dem ESF Plus in der Förderperiode 2021-2027 stellen klar: „Die bereichsübergreifenden Grundsätze und der Grundsatz der ökologischen Nachhaltigkeit müssen während der gesamten Projektdauer, beginnend mit der Vorbereitung über die Durchführung bis zur abschließenden Berichterstattung berücksichtigt werden. Für das einzelne Vorhaben bedeutet dies, dass bereits in der Interessenbekundung bzw. im Antragsverfahren auf den konkreten Beitrag des Vorhabens zu den o.g. Zielen eingegangen werden muss. Während der Durchführung und zum Abschluss sind vom Vorhabenträger verschiedene Berichtspflichten zu erfüllen (z. B. Zwischen- oder Verwendungsnachweis), durch die die Bewilligungsbehörde in die Lage versetzt wird, das Erreichen der bereichsübergreifenden Grundsätze und der ökologischen Nachhaltigkeit in jedem Vorhaben zu beurteilen.“
Die Herausforderung für die wirkungsvolle Umsetzung der Querschnittsthemen ist hier die Kohärenz – also die konsequente Berücksichtigung und inhaltliche Stimmigkeit, sodass Ziele, Umsetzung und Berichterstattung aufeinander aufbauen. Das bedeutet zunächst, dass die Querschnittsthemen bei der Analyse und Planung eines Vorhabens mit dem jeweiligen Kontext – und im besten Falle mit den Programm- bzw. Vorhabenzielen – verknüpft sind. Dieser erste Schritt sollte die Grundlage für die tatsächliche Umsetzung und folglich auch für die Berichterstattung zu den konkreten Beiträgen zu den Querschnittsthemen sein. Um im Rahmen des Monitorings zudem einen guten Überblick zur Umsetzung der Querschnittsthemen zu erhalten und um weiter zu diesen Themenbereichen zu sensibilisieren, beantworten Vorhaben seit Beginn der ESF Plus-Förderperiode 2021-2027 bereits im Antrag standardisierte Fragen zu den Querschnittsthemen (siehe dazu auch „FAQT-Sheet: Abfragen zu den Querschnittsthemen im Rahmen von Interessensbekundungen und Antragstellungen“).
Damit die im Vorhaben geplanten und geleisteten Beiträge zu den Querschnittsthemen gut nachvollziehbar und bewertbar sind – und damit deutlich wird, ob eine reflektierte Auseinandersetzung stattgefunden hat –, sollte berichtet werden, was tatsächlich umgesetzt wurde. Idealerweise sollte dies anhand konkreter Umsetzungsbeispiele und mit Rückbezug auf die im Antrag beantworteten Fragen geschehen. In der Praxis zeigt sich jedoch ein anderes Bild der Berichterstattung zur Umsetzung der Querschnittthemen im Rahmen der dafür vorgesehenen Sachberichte: Häufig bricht die Kohärenz ab und Vorhaben nehmen kaum Bezug zu ihren anfänglich formulierten Zielen oder zu den standardisierten Fragen im Antragsverfahren. Lässt zudem das auszufüllende Sachberichtsformular wenig Platz und gibt durch die Fragestellung wenig Konkretisierung, bleibt wenig Raum für qualitative Aussagen.
„JUGEND STÄRKEN: Brücken in die Eigenständigkeit“ (2022–2028) hebt sich hier ab, indem es eine strukturierte und inhaltlich differenzierte Berichterstattung zu den Querschnittsthemen anstrebt und dafür gezielt Anleitungen und Unterstützung bietet.
Das Programm unterstützt junge Menschen im Alter von 14 bis einschließlich 26 Jahren, die ihr Leben noch nicht eigenständig führen können und/oder die von Wohnungslosigkeit bedroht oder betroffen sind, insbesondere Care Leaver*innen sowie sogenannte entkoppelte junge Menschen, die aus sämtlichen institutionellen Kontexten herausgefallen sind. Ziel ist es, die jungen Menschen durch eine langfristige sozialpädagogische Begleitung dazu zu befähigen, zentrale Lebensbereiche wie Wohnen, Finanzen und Bildung selbstverantwortlich zu gestalten. Die örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe steuern und koordinieren die einzelnen Vorhaben vor Ort.
Was wird gemacht?
Dem Sachberichtsformular von „JUST BEst“ liegen die standardisierten Fragen zur Umsetzung der Querschnittsthemen aus der Antragsstellung zugrunde und die Berichterstattung wird durch sowohl qualitative als auch quantitative Fragetypen flankiert:
Auswahlfragen erfragen, in welchen Handlungsfeldern die Querschnittsthemen konkret umgesetzt wurden. Hier werden die Themenbereiche aus dem Antragsverfahren aufgeführt und die Vorhaben wählen aus, welche zwei Felder vorrangig berücksichtigt wurden.
Likert-Skalen erfassen die Einschätzung des Stellenwerts des jeweiligen Querschnittsthemas in der täglichen Arbeit im Vorhaben (z. B. "Welchen Stellenwert hatte Gleichstellung in Ihrer täglichen Arbeit?" von 1 "sehr niedrig" bis 10 "sehr hoch").
Freitextfelder fordern zur Beschreibung konkreter Umsetzungsbeispiele auf (z. B. "Bitte beschreiben Sie, wie Sie das Thema Antidiskriminierung konkret berücksichtigt haben.“).
Ergänzt wird der Sachbericht durch eine praktische Ausfüllhilfe, die mit konkreten Beispielen und Klarstellungen unterstützt. In der Ausfüllhilfe wird zum einen explizit auf die bereits erfolgte Bearbeitung der Querschnittsthemen („bereichsübergreifenden Grundsätze“) im Rahmen der Antragstellung hingewiesen:
- „Zu den bereichsübergreifenden Grundsätzen haben Sie im Förderkonzept im Zuge der Antragstellung auf Grundlage der Förderrichtlinie (6. Sonstige Zuwendungsbestimmungen) bereits Ziele formuliert.“
- „Geben Sie an, in welcher Form die bereichsübergreifenden Grundsätze im Vorhaben im Berichtszeitraum 2024 vorrangig umgesetzt wurden. (…) Zu den Bereichen hatten Sie bereits im Antrag eine Angabe gemacht. Bitte reflektieren Sie kritisch, welche der Bereiche im Vorhaben vorrangig umgesetzt wurden bzw. werden.“
Zum anderen wird dazu angehalten, konkret zu werden und qualitative Aussagen zu treffen:
- „Erläutern Sie kurz und möglichst prägnant, welche konkreten Maßnahmen im Berichtszeitraum 2024 zur Erreichung des jeweiligen bereichsübergreifenden Grundsatzes bzw. zur Auseinandersetzung mit dem Thema umgesetzt wurden.“
Besonders hilfreich ist auch die tabellarische Darstellung von Dos und Don'ts zu den Querschnittsthemen (hier im Auszug).
| Don´ts | Dos |
| „Wir achten auf Geschlechtersensibilität.“ | „In der Öffentlichkeitsarbeit (Flyer, Website, Social Media) verwenden wir gendersensible Sprache.“ |
| „Unsere Angebote richten sich auch an Menschen mit Behinderung.“ | „Wir arbeiten mit einer Selbstorganisation von Menschen mit Behinderung zusammen, um die Barrierefreiheit und Inklusion unserer Angebote zu evaluieren.“ |
| „Wir thematisieren ökologische Aspekte in unserer Arbeit.“ | „Unsere Teilnehmenden nehmen an Workshops zu nachhaltigem Wohnen teil.“ |
Warum ist das Gute Praxis?
„JUST BEst“ bietet durch die konkreten und differenzierten Fragestellungen im Sachbericht und die dazugehörige Ausfüllhilfe eine vorbildliche Grundlage zur kontextualisierten und gehaltvollen Berichterstattung zu den Querschnittsthemen und sorgt zugleich für Kohärenz.
Durch die gezielte Kombination aus Fragen nach dem „Wie“ der konkreten Umsetzung und dem „Wieviel“ im Sinne einer skalierten Selbsteinschätzung entsteht eine systematische, vergleichbare und zugleich individuell nachvollziehbare Auseinandersetzung mit den Querschnittsthemen.
Die Kombination aus strukturierten Fragestellungen und praxisnaher Ausfüllhilfe dient der Sensibilisierung der Vorhaben und es wird ein Reflexionsraum geschaffen. Dies ermutigt die Vorhaben, sich aktiv mit den Querschnittsthemen auseinanderzusetzen und nicht nur oberflächliche, erwünschte Angaben („Antragsprosa“) zu machen. So können seitens der Programmbegleitung unterschiedliche Umsetzungsgrade besser eingeschätzt und ggf. zur Nachbesserung aufgefordert werden. Zudem erleichtert dieses Vorgehen auch die Suche nach Beispielen für gute Umsetzungspraxis, die wiederum auf Vernetzungstreffen vorgestellt und als konkrete Veranschaulichung in Programmdokumenten eine gute Unterstützung für die Vorhaben sind. Hervorzuheben ist auch eine weitere Wirkung dieses Instrumentes: Durch die Aufforderung zur dezidierten Auseinandersetzung sowie durch die unterstützende Ausfüllhilfe wird der Stellenwert, der den Querschnittsthemen seitens des Programms beigemessen wird, hervorgehoben.
Die Form der Aufbereitung der Querschnittsthemen im Sachbericht unterstützt zudem das Monitoring und die Auswertung auf Programmebene, indem die Rückmeldungen vergleichbar und systematisch ausgewertet werden können. Im Vergleich der jährlichen Sachberichte können so auch Entwicklungen besser abgebildet und nachvollzogen werden. Zudem stärkt dieses Vorgehen nicht nur die Umsetzung in der Praxis, sondern auch die Lernschleifen innerhalb der Vorhaben und des Programms. So wird aus einem formalen Berichtsinstrument ein wirkungsvolles Steuerungselement zur Qualitätssicherung und Weiterentwicklung der Projektpraxis.
Der „JUST BEst“-Sachbericht und die Ausfüllhilfe zeigen exemplarisch, wie die Berichterstattung zu den Querschnittsthemen für die Praxis handhabbar gemacht und Kohärenz hergestellt werden kann – und das nicht nur formal, sondern inhaltlich überzeugend.
Was ist für einen Transfer zu beachten?
Die Methodik von „JUST BEst“ eignet sich hervorragend für die Übertragung auf andere (ESF Plus-) Programme.
Für den Transfer empfiehlt sich insbesondere:
- Eine Berichtsstruktur im Sachbericht mit multiplen Fragetypen, die auf die Fragen der Antragsstellung Bezug nehmen und auf konkrete Umsetzungsbeispiele zielen.
- Die Verknüpfung von Selbsteinschätzung und kontextueller Einordnung.
- Eine praxisnahe Ausfüllhilfe mit Beispielen und Dos und Don'ts.
Damit können Programme dabei unterstützen, dass die Querschnittsthemen nicht nur in der Theorie verankert, sondern auch in der Praxis gelebt und qualitativ gehaltvoll dokumentiert werden.
Die „JUST BEst“-Ausfüllhilfe kann anderen Programmen und Vorhaben als Blaupause dienen, um ebenfalls einen strukturierten und praxisnahen Reflexionsprozess zur Umsetzung der Querschnittsthemen zu etablieren. So kann aus einem formalen Berichtsinstrument ein lernförderndes Werkzeug werden, das sowohl der Qualitätssicherung als auch der strategischen Weiterentwicklung dient. Für den Transfer ist zudem zu beachten, dass die kohärente und wirkungsvolle Implementierung dann gelingt, wenn die Querschnittsthemen von Anfang an in die Programmlogik und begleitenden Dokumente integriert sind.