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Vergangene Veranstaltungen der Fachstelle

Hier finden Sie eine Zusammenstellung ausgewählter Veranstaltungen der Fachstelle für Programmverantwortliche und Vertreter*innen umsetzender Stellen im ESF Plus.

60 Minuten FAQT am 26.02.2026: Rassismuserfahrungen und Männlichkeiten

In einem “60 Minuten FAQT” mit Programmverantwortlichen im ESF Plus und Vertreter*innen umsetzender Stellen ging es um Rassismuskonstrukte und Männlichkeiten - ein eher ungewöhnliches Thema im ESF Plus.

Seit Jahrhunderten bestehen Strukturen von Dominanz- und Unterdrückungsverhältnissen. Abhängig davon, zu welchen Personengruppen wir gehören, erleben wir verschiedene Arten von Diskriminierung oder sind im Besitz von Privilegien. Unser Referent Birol Mertol von FUMA - Fachstelle Gender und Diversität (NRW) entwickelte eindrucksvoll die historische Linie des Rassismus in Verflechtung mit Patriarchat und Klassenzugehörigkeit und stellte aktuelle Bezüge ebenso wie die Notwendigkeit zur Reflexion und Bewusstwerdung eigener Haltungen vor.

Damit lieferte er wertvolle Hintergrundinformationen und praktische Hinweise für die Arbeit mit der ESF Plus-Zielgruppe junge Männer mit Einwanderungsgeschichte.

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Die Gleichstellung der Geschlechter hat nicht nur viele Ziele, Perspektiven und Facetten, sondern ist auch – intersektional – mit anderen Politiken verknüpft und entfaltet darin ganz eigene Dimensionen.

Im Rahmen des Vernetzungsformats „60 Minuten FAQT“ für Programmverantwortliche des Bundes-ESF Plus und Vertreter*innen umsetzender Stelle wurde das Thema „Rassismuserfahrungen und Männlichkeit“ aus gleichstellungspolitischer Perspektive betrachtet. Birol Mertol von FUMA - Fachstelle Gender und Diversität (NRW) gab in seinem Impulsvortrag wertvolle Einblicke in die Zusammenhänge aus subjektiv erfahrenen Ausgrenzungen, strukturellen Mechanismen der Stigmatisierung und Abwertung, der Identifikationssuche unter Gleichgesinnten / Betroffenen und der teilweise damit einhergehenden Ablehnung von Grundsätzen der Gleichstellung der Geschlechter.

Der ESF Plus fördert mit seinen Programmen und seinen Zielgruppen auch Menschen mit Einwanderungsgeschichte. Hierbei treffen die Mitarbeiter*innen der Projekte auch auf (junge) Männer, die in toxischen Männlichkeitsbildern – die auch unter Männern ohne Einwanderungsgeschichte verbreitet sind – eine Antwort auf erfahrene Exklusion suchen. In der Konsequenz kommt es in diesen Fällen oft zu einer Überbetonung von „Männlichkeit“, die mit Abwertung von Frauen und dem Ausdruck frauenfeindlicher Einstellungen einhergehen kann. 

Welche Ursachen liegen dem zugrunde und welche Wirkmechanismen müssen betrachtet werden, um Dialog und gegenseitiges Verständnis zu gewährleisten?

Diese Fragen stellen sich in verschiedenen Projektkontexten, sei es in der Beratung oder in Bildungsformaten. Berater*innen sind oftmals mit Herausforderungen konfrontiert, die aus der Verschränkung von Rassismuserfahrungen und verinnerlichten Geschlechterstereotypen der Teilnehmenden stammen. So kann es etwa bei jungen Männern in der Beratung aufgrund von bestimmten Vorstellungen von Männlichkeit zu Widerständen gegenüber Berufen oder Tätigkeiten kommen, die als „typisch weiblich“ angesehen werden.

Verinnerlichte Geschlechterstereotype der Teilnehmenden stoßen in der Projektpraxis auch auf die gleichsam von strukturellem Rassismus und Patriarchat beeinflussten Einstellungen des Projektpersonals. Nicht selten werden jungen Männern mit Migrationsgeschichte von Vornherein bestimmte Geschlechterstereotype aufgrund der Herkunft oder Kultur unterstellt und sie dementsprechend (in die falsche Richtung) beraten. Es können viele Fragen und Unsicherheiten auf beiden Seiten entstehen, die eine erfolgreiche Beratung und Vermittlung der Teilnehmenden in Bildung oder den Arbeitsmarkt erschweren.

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, ist es hilfreich, sich mit dem Zusammenwirken von strukturellem Rassismus, Patriarchat und Klassenzugehörigkeit in seiner historischen Entstehung und dem Fortwirken zu beschäftigen, um zu verstehen, wie die Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsmuster sowohl der Teilnehmenden als auch der Projektmitarbeiter*innen geprägt sind. Darauf wies Birol Mertol eindrücklich in seinem Vortrag hin, in dem er diese komplexe Verflechtung anschaulich nachgezeichnet hat.

Wodurch werden Vorstellungen von Männlichkeit von jungen Männern in prekären Lebenslagen geprägt? Welche Rollenmuster und Stereotype spielen dabei eine Rolle und wie verhalten sie sich, um in einer patriarchalen und rassistischen Gesellschaft als Mann zu gelten?

Häufig, so der Referent, lässt sich eine ambivalente Positionierung feststellen:

  • zwischen offensiver Selbst-Ethnisierung bzw. dem Stolz auf die eigene Herkunft und internalisierter Selbstabwertung bzw. 
  • zwischen totaler Anpassung und „Hypermaskulinität“ und progressiven Männlichkeiten.

Die Erfahrung, sich abgewertet zu fühlen, kann dabei über maskulines Dominanz- und Abgrenzungsverhalten kompensiert werden – welches auch gewaltvolle Züge annehmen kann. Benachteiligungen und eingeschränkte Teilhabe können auch dazu führen, Anerkennung über das Streben nach Statussymbolen und finanziellem Wohlstand zu suchen. Beides sind Verhaltensweisen, die wiederum gesellschaftlich verbreitete Stereotype von „migrantischer Männlichkeit“ bedienen – die auch im Projektpersonal wirksam sein können. In der Folge kann es etwa dazu kommen, dass nur noch ein problematisches maskulines Verhalten gesehen wird, das abgelehnt wird, nicht aber die Geschichte des erlebten Rassismus und die patriarchalen Strukturen, die dahinterstehen.

Wie kann es nun gelingen, Unterstützung für die jungen Männer zu gewährleisten, aber auch eine Diskussion über maskulines Dominanz- und Abgrenzungsverhalten zu ermöglichen? 

Um einen guten Umgang mit dieser Ambivalenz zu finden, sollten zunächst eigene Unsicherheiten und Abwehrmechanismen wahrgenommen, sowie eigene Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsmuster kritisch hinterfragt werden, so Birol Mertol. Viele Menschen wollen „politisch korrekt“ sein und halten eher die anderen für rassistisch oder sexistisch – nicht sich selbst – und verkennen dabei die Wirksamkeit struktureller Bedingungen auf die eigene Sozialisation.

Das Erkennen eigener diskriminierender Denkmuster und Verhaltensweisen sowie eigener Privilegien kann dem positiven Selbstbild widersprechen und das Erkennen dieser Muster durchaus sehr unangenehm sein. Aber, so Birol Mertol: „Irritation ist Motor für Veränderung“ und kann als Anstoß dienen, um zu einer besseren, diskriminierungssensiblen Praxis zu kommen.

Die Arbeit mit der Zielgruppe junger Männer mit Migrationsgeschichte zeigt, dass diskriminierungssensible Arbeit nur möglich ist, wenn sie intersektional ausgerichtet ist: Geschlechterstereotype und Stereotype mit Bezug auf die ethnische Herkunft wirken sowohl in der Selbstwahrnehmung als auch der Fremdwahrnehmung zusammen und verbinden sich mit Diskriminierungserfahrungen und Privilegien.

Je ausgeprägter das Bewusstsein über Privilegien und Machtstrukturen, über De-Privilegierungen, Diskriminierungsmechanismen und Ausgrenzung ist, desto größer ist die Chance auf Verständigung, Erkenntnisgewinn und Veränderung. Um den bestehenden Herausforderungen in der Projektpraxis zu begegnen, sollte neben dem Verständnis für die Zielgruppe die eigene Wahrnehmung geschärft, die eigene Perspektive erkannt, Verantwortung aus der eigenen Perspektive heraus übernommen, eigene Handlungsoptionen entwickelt und immer auch Wissen über die komplexen Zusammenhänge angeeignet werden.

 


60 Minuten FAQT am 10.12.2025: Intersektionalität in der Praxis

In einer Online-Veranstaltung der Fachstelle Querschnittsthemen im ESF Plus mit Vertreter*innen mehrerer ESF Plus-Programme und umsetzender Stellen ging es um den Nutzen einer intersektionalen Perspektive bei der Programmgestaltung und deren praktische Anwendung.

Bei den Zielgruppen der ESF Plus-Programme handelt es sich nicht um homogene Gruppen. Um eine möglichst adäquate Zielerreichung zu gewährleisten, ist deshalb ein detaillierter Blick in die Vielfalt der adressierten Personen notwendig. Auch wenn eine „intersektionale Brille“ in der Ausgangsanalyse, der Definition und der Ansprache der Zielgruppen, in der Projektumsetzung, im Monitoring und bei der Evaluation zunächst für zusätzliche Komplexität sorgen mag, nimmt sie die Menschen, die erreicht werden sollen, erst wirklich in den Blick und führt somit zu besseren Ergebnissen.


Fachgespräch Ökologische Nachhaltigkeit am 19.11.2025: Umweltfreundliche Beschaffung im ESF Plus

In einem Fachgespräch in Bonn ging es um das Thema umweltfreundliche Beschaffung im ESF Plus. Zunächst wurde durch das BMAS die Verankerung der Ökologischen Nachhaltigkeit in die relevanten Planungsdokumente präsentiert, bevor die Projekte BBNE EcoNet sowie BBNE Lobby des ESF-Programms „Nachhaltig im Beruf - zukunftsorientiert ausbilden“ (BMBFSFJ) einen Einblick in die praktische Umsetzung umweltfreundlicher Beschaffung gaben.

In einem Input der Kompetenzstelle nachhaltige Beschaffung (KNB) wurden Ziele, Rahmenbedingungen und Möglichkeiten nachhaltiger Beschaffung herausgestellt. In einer „ESF-Landkarte der Beschaffung“ wurden Ebenen, Akteur*innen und nächste Schritte erarbeitet, an die zukünftig angeknüpft werden kann. Das Fachgespräch schloss mit einem Ausblick auf die Ökologische Nachhaltigkeit in der neuen ESF-Förderperiode.


Fachgespräch Antidiskriminierung am 25.06.25: Diskriminierungssensible Ansätze der Förderung von Menschen mit Migrationsgeschichte im ESF Plus

Bei einem Fachgespräch zum Querschnittsthema Antidiskriminierung in Berlin wurde der Frage nachgegangen, wie eine diskriminierungssensible Förderung von Menschen mit Migrationsgeschichte aussehen kann. Mehrere Beiträge aus der Forschung und der Praxis verschiedener ESF Plus-Projekte machten einmal mehr deutlich: Deutschland ist auf Migration angewiesen. Jedoch behindern strukturelle Faktoren die Integration von Menschen mit Migrationsgeschichte und eine echte Willkommenskultur ist häufig nicht vorhanden. Eine diskriminierungssensible Förderung von Menschen mit Migrationsgeschichte kann den strukturellen Defiziten begegnen und bildet einen wichtigen Baustein zur Integration in den Arbeitsmarkt.

Drei Grundprinzipien sollten dabei beachtet werden: Die wirkliche Einbeziehung von Menschen mit Migrationsgeschichte in die Arbeitsprozesse, eine Ressourcen- statt Defizitorientierung in der Beratung und eine durchgehend intersektionale Perspektive.


Fachgespräch Gleichstellung der Geschlechter im ESF Plus am 22.05.25

Im diesjähigen Fachgespräch Gleichstellung der Geschlechter im ESF Plus in Bonn wurden Beiträge zur Entwicklung der europäischen Gleichstellungspolitik präsentiert. Im Fokus standen die Performance in Deutschland (durch das BBSR), das neue ESF-Plus Programm exist Women (durch das BMWE) und Ansätze der Implementierung der Querschnittsthemen im Programm JUGEND STÄRKEN (durch das BAFzA). 

Eine Gesamtschau auf das Programm Akti(F) Plus (BMAS) sowie ein intensiver Austausch über die Gelingensbedingungen der Gleichstellung im ESF Plus - auch aus der Perspektive der Projektträger – rundeten die Veranstaltung ab. Die Inputs lieferten eine wichtige fachpolitische Fundierung in Zeiten des zunehmenden Antifeminismus.


60 Minuten FAQT am 31.03.25: Die Weiterentwicklung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie

In der Online-Reihe 60 Minuten FAQT ging es dieses Mal um die Weiterentwicklung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie (DNS) mit dem Titel Transformation gemeinsam gerecht gestalten und ihre Bedeutung für den ESF Plus. Der Schwerpunkt der DNS liegt in der Verbindung von ökologischer Transformation und sozialer Gerechtigkeit: Die ökologische Transformation ist dringend und unverzichtbar und sie soll sozial gerecht und inklusiv gestaltet werden. Der Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) kommt bei der Umsetzung eine Schlüsselrolle zu.

Neben den fünf ESF Plus-Programmen des Bundes, die explizit in der DNS erwähnt werden (Nachhaltig im Beruf, Bildungskommunen, Stärkung der Teilhabe älterer Menschen, Wandel der Arbeit, Bildung und Engagement ein Leben lang), wurden erfolgversprechende Ansätze aus der Praxis vorgestellt.